Ethik sicherheitsrelevanter Forschung

Ethische Ziele

Aus ethischem Blickwinkel gesehen, ist es das Ziel des WIAS, mit seiner Forschungsarbeit wesentliche Beiträge zur Weiterentwicklung der Mathematik und zu mathematischen Modellen und Methoden in anderen Wissenschaften zu leisten sowie innovative Anwendungen solcher Resultate in Technik und anderen Lebensbereichen zu ermöglichen und zu fördern. Damit soll unsere Arbeit dem kulturellen und gesellschaftlichen Fortschritt, der Verbesserung sozialer Lebensbedingungen und der Sicherung friedlicher Verhältnisse dienen. Eine offene und freie wissenschaftliche Forschung soll im internationalen Massstab genutzt und gefördert werden.

Gefahr von Fehlentwicklungen und Missbrauch

Natürlich sind wir uns der Probleme unserer Forschungstätigkeit bewusst. An Forschungsvorhaben, die im In- oder Ausland zu Krieg, Menschenrechtsverletzungen, politischer Diktatur, Verletzungen des Tierschutzes, Intoleranz oder Diskriminierung führen, beteiligt sich das WIAS nicht. Komplizierter ist die Gefährdung durch den Missbrauch von Forschungsergebnissen für unmoralische, unrechte und skruppelose Zwecke (Dual Use). Es liegt in der Natur der Mathematik, dass die abstrakten mathematischen Modelle oft vielseitige Anwendungen besitzen. Auf solche Grundlagen der Mathematik können wir sicherlich nicht vollständig verzichten. Wichtig ist aber, dass wir uns über die anwendungsrelevanten Ergebnisse Gedanken machen, die neben den ursprünglichen Zielen auch die Nutzung zu kritischen Zwecken gestatten. Forschungsresultate, die direkt zum Missbrauch eingesetzt werden können, sollen von WIAS-Mitarbeitern nicht veröffentlicht werden. Die Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern und Institutionen, die ausschliesslich an unethischen Zielstellungen arbeiten, muss abgelehnt werden.

Durchsetzung der Ziele

Jeder Wissenschaftler des WIAS ist sich seiner Verantwortung für eine moralisch korrekte Forschung bewusst und prüft eigenständig seine Forschungsziele aus ethischem Gesichtspunkt. Auf diesbezügliche Probleme weisen sich die Kollegen gegenseitig hin. In Konfliktfällen wenden sich Wissenschaftler und Kollegen an die Kommissionen für Ethik in der Forschung (KEF). Hier gibt es zum einen eine KEF der Leibniz-Gemeinschaft, die sich mit den Themen befasst, die für die gesamte Gemeinschaft von Bedeutung sind. Für alle anderen Forschungsthemen ist die KEF des WIAS (Satzung: PDF-Dokument , Ansprechspartner: A. Linke und A. Rathsfeld) zuständig. Beide KEFs wurden initiert durch die Arbeit des "Gemeinsamen Ausschuss zum Umgang mit sicherheitsrelevanter Forschung" der DFG und der Leopoldina. Die KEF berät das fragliche Forschungsprojekt in interner Sitzung und stellt eine Empfehlung für das weitere Vorgehen aus. Falls die Forschung nicht den obengenannten Ansprüchen genügt, dann entscheidet der Direktor des WIAS über nötige Massnahmen.